Computer-Spiele: Glück und Sucht liegen dicht beieinander

cid Düsseldorf – Einmal wie Schumacher über die Rennstrecke düsen, ein eigenes Imperium in einer fremden Zeit aufbauen oder die Menschheit im Krieg vor den Gefahren einer noch unbekannten Macht retten: Computer-Spiele erfreuen sich durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten hindurch einer großen Beliebtheit. Vor allem Jungen im Alter zwischen zehn Jahren und 20 Jahren können oftmals Stunden in der virtuellen Welt verbringen. Mit speziell auf Senioren zugeschnittene Games werden nun auch Rentner vor den PC gelockt. Allerdings sollte man beim Spiel Vorsicht walten lassen, denn das Abtauchen in die Spielewelt kann positive und negative Auswirkungen haben. Konsolen- und PC-Games lösen Glücksmomente aus und wirken sich positiv auf das psychische Befinden des Spielers aus. Zu diesem Ergebnis sind jetzt Wissenschaftler im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts “Fun of Gaming” (FUGA) in Helsinki gekommen. Der Nutzer erlebt das Spiel als
Protagonist: Heranstürmende Gegner bedeuten zunächst Anspannung. Dadurch steigt der Adrenalinspiegel, im Erfolgsfall verschwindet jedoch das negative Gefühl und wandelt sich in Euphorie um. Der Spieler fühlt sich überlegen und kompetent, weil er den Feind besiegt hat. Zudem hat das Spielen einen Lerneffekt. Situationsbedingt müssen ständig neue Herausforderungen bewältigt werden, bei denen Kernkompetenzen wie strategisches Denken gefragt sind. Außerdem soll die Fähigkeit, schnelle Entscheidungen zu treffen und Ziele zu erreichen, geschult werden. In manchen Fällen wird zudem die Teamfähigkeit gefördert, indem man in der Gruppe sein Ziel erreichen muss.

Allerdings hat das virtuelle Leben auch seine Schattenseiten und kann leicht zur Sucht werden: Schnell verschwinden die Spieler in ihre eigene Welt und nehmen kaum noch an der Realität wie Schul-, Berufs- oder Familienleben teil. Exzessive Spieler sind beispielsweise zwischen 35 und 40 Stunden pro Woche in ihre Welt versunken. Werden sie gestört, reagieren sie aggressiv und gereizt. Auch Gewaltausbrüche und zerstörerische Wut sind keine Seltenheit, so dass Gegenstände und sogar Personen leicht Schaden nehmen können. Auch sogenannte “Serious Games” oder Lernspiele zur Gesunderhaltung wie das “Gehirnjogging” können zu einer Sucht führen und einen Menschen physisch und psychisch zugrunde richten.

Ein frühzeitiges Handeln ist gefragt. Freunde, Familie und Bekannte sollten aktiv werden, wenn sich erste Anzeichen einer Abhängigkeit bemerkbar machen. Reden und Abschalten des Computers eignen sich besonders gut, um die Probleme, die meist hinter der Flucht in die Spielewelt stecken, zu bewältigen. Reagiert der Betroffene jedoch gewalttätig und aggressiv, kann ein Eingreifen bereits zu spät kommen. Auf professionelle Hilfe zurückzugreifen, ist dann meist der einzige Ausweg. Nach einer Studie der Interdisziplinären Suchtforschungsgruppe von der Berliner Charité (ISFB) weist laut dem Magazin “Der Spiegel” rund jeder zehnte Computer-Spieler suchtähnliche Merkmale auf. Trotzdem akzeptieren die Krankenkassen “Computer-Sucht” selten als tatsächliche Krankheit. Die Kosten für die Behandlung in teuren und derzeit wenigen Spezial-Einrichtungen müssen meist selbst getragen werden. Daher sollte man es gar nicht soweit kommen lassen, auch das echte Leben steckt voller Abenteuer und Aufgaben, die gelöst werden
müssen.

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