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Wie unseriöse Flirt-Hotlines neue Kunden gewinnen

27. Mai 2008

cid Düsseldorf – Mit einer neuen Masche verleiten teure Flirt-Hotlines unbedarfte Kontaktsuchende zu kostspieligem Verhalten. Dabei werden bei seriösen, oft kostenfreien Kontaktportalen ansprechende Profile von Menschen eingerichtet, die vermutlich nicht einmal existieren.

Als nächstes kontaktieren diese Scheinpersonen andere Portalmitglieder mit einer einladenden Nachricht. Darin wird meist auch schon erklärt, dass derjenige viel unterwegs sei und nicht so oft ins Internet könne. Erreichbar sei er dennoch: über ein anderes Portal, das die Nachrichten aufs Handy weiterleite. Klingt problemlos und der Reiz des neuen Kontaktes veranlasst viele Suchenden, sich ohne Vorbehalte auch woanders einzuloggen – kostenfrei, wie es auf den ersten Blick scheint. Doch dann beginnt erst das teure Spiel mit der Hoffnung.

Dass dieses Geschäftsgebaren als unseriös bezeichnet werden kann, zeigt der Fall von Lisa F. Die allein stehende Single-Frau begann vor einigen Monaten auf dem seriösen Kontakt-Portal Lokalisten.de, Menschen aus ihrer Umgebung über das Netz kennenzulernen und alte Bekannte wieder zu finden – alles kostenfrei. Eines Tages erhielt sie dort eine Nachricht von einem gewissen Marco, der sich von ihrem Profil angesprochen fühle. Er schrieb einiges über sich, das auch zu Lisa F. passte, äußerte sein Interesse an ihr und die Hoffnung, dass sie sich bald melden möge. Leider, so schrieb er, hätte er in nächster Zeit keine Möglichkeit ins Internet zugehen, sei aber über Junglefrinds.de unter dem Namen Marco_Polo erreichbar, wo auch ein Foto von ihm zu sehen sei.

Schon dadurch konnte sich der Verfasser der Neugier des anderen sicher
sein: Gucken kann man ja mal. Und prompt zeigt das Foto auch noch einen gut aussehenden jungen Mann. Die Lust auf Kontakt wird damit gesteigert und so ließ auch Lisa F. sich dazu hinreißen, sich bei den Dschungelfreunden zu registrieren und die erste, noch kostenlose SMS an Marco zu versenden. Zu ihrer großen Freude dauerte es keine zehn Minuten bis er sich zurückmeldete.

Kurz zuvor erhielt sie eine für sie kryptische Begrüßungsnachricht mit den Hinweis “Abmelden mit Stop66366 an 83900″. Da ahnte sie noch nicht, was sich hinter dem Ganzen verbarg, war aber stutzig geworden. Doch die bald darauf empfangende Nachricht von Marco wischten alle Bedenken erst einmal beiseite. Man tauschte sich über dies und das aus und vereinbarte bald ein Treffen in der Nähe. Obwohl das Wesentliche soweit geklärt war, schickte Marco weitere Nachrichten, äußerte stets großes Interesse an noch so kleinen Kleinigkeiten und beendete fast jede SMS mit einer Frage. Geschmeichelt würden wohl die meisten Menschen darauf reagieren und antworten. So auch Lisa F. die nach circa 26 versendeten Mitteilungen eine Statusnachricht erhielt, dass für den von ihr genutzten SMS-Chat bereits über 50 Euro angefallen seien. Ein Grund für die junge Frau, nun die Geschäftsbedingungen der Dschungelfreunde doch einmal genauer durchzulesen. Und da steht tatsächlich, dass nach der ersten kostenlosen SMS an ein Mitglied jede weitere Nachricht 1,99 Euro kostet. Telefonnummern werden in den Nachrichten grundsätzlich nicht übertragen, sondern vom System gelöscht.

Nun galt es für Lisa F. eine Lösung zu finden, um die weiteren Kosten gering zu halten. Der angebliche Marco teilte ihren Unmut über die hohen Preise des Dienstes zwar, aber der Kontakt zu ihr sei ihm das Geld wert. Bei diesem Erpressungssatz wurde Lisa F. nicht nur stutzig, sondern war sich langsam sicher, dass die ganze Sache nicht koscher war. Von den Callcentern, in denen Angestellte kostenpflichtige Flirt-SMS wahlweise als Uwe, Kai oder Sonja beantworten und damit ihr Geld verdienen, hatte sie schon gehört. Aber das betraf bislang doch immer die aus der TV-Werbung bekannten Spots mit Aufforderungen wie “Sende FLIRT an 8833 und treffe Jungs aus Deiner Umgebung”. Lisa wurde aber in einem serösen Kontaktportal angeschrieben und hatte sich auf ein anderes Portal locken lassen. Aber vielleicht gab es diesen Marco ja doch?

Zum Schein oder auch von der Hoffnung getrieben, ging sie auf die Äußerung Marcos ein, versuchte aber in weiteren SMS durch kleine Rätsel ihren Nachnamen oder ihre Telefonnummer zu übermitteln, die nicht von einem Computer-Programm erkannt und gelöscht werden können. Auf diese Weise wollte sie Marco einen Kontaktaufbau auf anderem Wege wie Telefonate über das Festnetz ermöglichen. Aber bei ihm kam angeblich entweder nichts an oder für ihn hat die Nachricht keinen Sinn ergeben: “Sorry, steh’ total auf dem Schlauch *verzweifel* Bitte gib nicht auf”. Aber Lisa F. gab an dem Tag, als das Treffen stattfinden sollte und er absagte, auf, weil er Überstunden zu leisten hätte. Da wurde ihr klar, dass alles nur Schwindel sein kann und teilte dem Schein-Marco ihren Verdacht ehrlich mit. Vehement wurde das jedoch zurückgewiesen und immer wieder Nachrichten verschickt, die mit einer Frage endeten. Still wurde es erst mit der letzten Nachricht von Lisa, als sie “Stop 66366″ an die angegebene Nummer sendete.

Noch am gleichen Tag wurde das Profil von Marco als “der_Strandlaeufer”
bei den Lokalisten gelöscht. Aber bei Junglefriends ist Marco_Polo immer noch aktiv, textet wahrscheinlich jetzt mit anderen Singles und betreibt fleißig das Geschäft mit der Hoffnung. Als Lisa F. zum ersten Mal dort sein Profil aufrief, waren bereits über 8 000 andere Menschen vor ihr da gewesen.
Kurze Zeit später zählte sein Profil fast 13 000 Aufrufe – eine verdächtig schnelle Steigerung.

Solch unseriöse Praktiken sind den Betreibern von Lokalisten.de nicht unbekannt, wie sich auf Anfrage herausstellte. Sie warnen daher mittlerweile alle Mitglieder davor, auf Nachrichten einzugehen, in denen sie auf andere Portale gelockt werden sollen. Weniger auskunftsfreudig zeigten sich die Dschungelfreunde aus Glücksburg. Im Impressum des Online-Angebots sind Name und Adresse des Betreibers MeetBe Media vermerkt, auch eine Mobilnummer ist angegeben. In einem Telefonat sollte geklärt werden, wie es zu dem von Lisa F. Erlebten kommen konnte, und wie der Betreiber zu Mitgliedern wie Marco_Polo steht. Aber egal, wann ein Anruf erfolgte, sowohl früh morgens als auch tagsüber oder gar spät am Abend, meldete sich niemand außer der Mailbox unter der angegebenen Nummer. Die Mailbox war allerdings nicht mit einem ordnungsgemäßen Begrüßungstext versehen, der Name MeetBe Media wurde nicht genannt: “Dies ist die Mailbox von” – und dann folgte Stille. Weil dutzendfache Kontaktaufnahmeversuche zur Klärung des Sachverhalts durch den Computer-Informations-Dienst scheiterten, wurde eine Nachricht mit einer Bitte um einen dringenden Rückruf hinterlassen. Diese wurde vom Empfänger jedoch binnen einer Frist von elf Tagen nicht beantwortet. Dass sich der Betreiber von “Junglefriends.de” derart in Schweigen hüllt und sich der Kontaktaufnahme entzieht, wirkt wenig seriös. Es erhärtet viel mehr den Verdacht, dass der Betreiber etwas zu verbergen haben könnte.

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